Peer-Review-Versteckspiel

Dr. rer. nat. Stefan Lanka

 

Auf der einen Seite bahnt sich in der Medizin eine positive Entwicklung an, wenn in Zukunft die Argumente veröffentlicht werden, warum wissenschaftliche Aussagen als wahr behauptet werden. Auf der anderen Seite zeichnet sich in der Neurologie eine gefährliche Entwicklung ab. Ultraschall soll massenhaft zu Untersuchungen des Gehirns und zu Gehirndoping eingesetzt werden.

 

Die positive Entwicklung ist, dass zum ersten Mal eine medizinische Fachzeitschrift das heiße Eisen der Wissenschaft anfasste und ins Wasser warf, indem sich die Redaktion des Journal of Negative Results in Biomedicine entschloss, die bisher geheim gehaltenen Kriterien, warum neue Erkenntnisse als wahr angesehen werden, zu veröffentlichen.

 

Im bisherigen Verfahren, dem Peer-Review, wurden geheim gehaltene Gutachten geheim gehaltener Gutachten verwendet, um zu entscheiden, ob wissenschaftliche Aussagen wahr sind oder nicht. Hier war und ist jede erdenkbare Manipulation möglich und gleichzeitig folgenlos, da Wissenschaftsbetrug keine Straftat ist (1).

 

Um diese Entwicklung auszubremsen, plant die amerikanische Gesundheitsbehörde NIH das Gegenteil: Sie versuchen, das Peer-Review-Verfahren weiter zu anonymisieren. Wissenschaftler sollen zusätzlich einen Kurs in Forschungsmethodik besuchen, womit verhindert werden soll, dass viele Ergebnisse der biomedizinischen Forschung sich nicht wiederholen lassen, damit falsche Ergebnisse schneller erkannt werden, was oft nicht der Fall sei und Irrtümer lange „stehen bleiben.“

 

Nicht so sehr der Forschungsbetrug, sondern Fehlentwicklungen im System seien das Hauptproblem, denn viele Forscher würden „geheime Saucen“ benützen, um Ergebnisse zu erzielen, was eine spätere Bestätigung oder Widerlegung der Behauptungen erschwere. Das schreibt ausgerechnet Francis Collins, Direktor des NIH, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass US-Amerikanische Betrügereien mit einer „geheimen Sauce“ als AIDS-Virus verkauft wurden (2).

(1)

Siehe den Beitrag „Fragen an das I“ in WissenschafftPlus Nr. 5/2013.

(2)

Siehe den Beitrag „Die Entstehung von HIV und AIDS“ in WissenschafftPlus Nr. 4/2012.